Montag, 10. Mai 2010

Automatisches Abzocken mit Algos und der 10%-Absturz des Dow Jones

Die nachfolgende Darstellung der Handelsaktivitäten (Times & Sales) über verschiedene US-Börsen hinweg zeigt, wie sich der Bid-Kurs des Unternehmensberatung Accenture (früher Anderson Consulting) am 6.5.2010 um 20.47h innerhalb der 50. Sekunde 28 mal veränderte und dabei von 27.00 $ auf 3.72 $ fiel. So viele Veränderungen des Bid-Angebots innerhalb einer einzigen Sekunde können nicht manuell eingegeben worden sein, so schnell ist kein Händler in der Lage, den Wert manuell zu ändern. Auch die sich kumulativ nicht ändernden Bid-Sizes zeigen, dass hier ein automatischer Computeralgorithmus den Wert extrem nach unten gezogen haben muss. Bei Last-Werten von 19.19 $ und zu 17.74 $ fand dann wirklich Handel statt, und damit wurde der niedrige Kurs auch in den Charts sichtbar.

Die Verkäufer dürften überrascht gewesen sein, dass sie mit 17.74 $ und 19.19 $ nur fast den halben Wert der 32.80 $ bekommen haben, die sie bei Erteilung der Order (bis zur 47. Sekunde) noch auf dem Ticker gesehen haben. Offensichtlich hat dann ein Algorithmus von den Market-Ordern erfahren, hat den Bid-Preis kurz mal runtergezogen, die Geschäfte mit gutem Gewinn getätigt, und ist dann 5 Sekunden später zum Normalpreis zurückgekehrt, als wenn nichts gewesen wäre.

So wie es aussieht, wurden hier Börsenneulinge oder Anleger, die aus technischen Gründen nur „bestens“ verkaufen konnten, mit Hochgeschwindigkeits-Computeralgorithmen skrupellos abgezockt. Und sollten solche Algorithmen in größerem Stil auch auf Index-relevanten Wertpapieren laufen, dann dürften wir in Zukunft noch sehr viel mehr plötzliche 10%-Einbrüche von Welt-Indizes zu sehen bekommen.


Kommentar:
Auch ich bin der Meinung, dass hier kein Eingabefehler vorlag, sondern bewusst gefischt wurde. Das Handelsvolumen in den 3 Minuten des Einbruches war nicht wirklich hoch. Gegen Ende der Session wurde ein zigfaches gehandelt. Auch hat der YEN gegenüber dem Euro den ganzen Tag lang gleichmässig gepunktet und den Euro 5% nach unten geschickt. In den 3 Minuten des Einbruches passierte bei EURYEN nichts aussergewöhnliches. Angeblich greift das Sicherheitssystem, das die falsche Eingabe solcher Orders hinterfragt und verhindert, nicht nach 14h. Angeblich erfolgte die Eingabe eines "B" statt eines "M" und verursachte das Problem. Angeblich funktionierten Handelssysteme mancher Onlinebanken zu exakt diesem Zeitpunkt nicht. Macht euch selbst eure eigenen Gedanken zu diesem Vorfall. Für mich war die Sache ein gut geplanter Angriff, mit dem Wissen, dass Computersysteme so reagieren, wie sie eben reagiert haben. Langsam macht der Mist keinen Spass mehr. Hoffentlich ringt man sich bald zur Börsenumsatzsteuer durch. 0,1% für jede Transaktion. 5% sollten es für Transaktionen mit Derivaten und ähnlich hochspekulativen Instrumenten sein. Vielleicht lässt sich die Dreckszockerei so einschränken. Wenn nicht, werden uns diese Zocker in den Abgrund treiben.