Donnerstag, 3. Dezember 2009

Kanonenfutter für den Kriegsnobelpreisgewinner

Die US-Verbündeten sollen mehr Soldaten nach Afghanistan schicken - doch Deutschland bekommt erst mal Zeit. Präsident Obamas Unterhändler Holbrooke verspricht, die Entscheidung ganz Merkels Regierung zu überlassen. Das Pentagon geht auf Distanz zur angeblich geforderten Zahl von 2000 Soldaten.
Düsseldorf/Berlin - Rund 4500 deutsche Soldaten sind zurzeit in Afghanistan stationiert - nach dem Wunsch der USA sollen es mehr werden. Man wolle aber keinen Druck auf Deutschland ausüben, sagte der US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke. Es bleibe den Deutschen selbst überlassen, über das weitere Vorgehen zu entscheiden, sagte er dem "Handelsblatt". Ähnlich äußerte sich eine hochrangige Pentagon-Mitarbeiterin.
Die Bundeswehr habe schon mehr als 30 Soldaten in Afghanistan verloren, das sei "historisch", sagte Holbrooke. Er habe daher Verständnis für die Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit einer Entscheidung über zusätzliche Truppen bis zur internationalen Afghanistan-Konferenz in London im Januar zu warten. Die deutsche Präsenz im Norden Afghanistans sei aber extrem wichtig.
Auch von einem Treffen der Nato-Außenminister am Freitag in Brüssel erwartet Holbrooke keine konkreten Zahlen, wie er sagt. Die US-Regierung fordert vor allem politische Zusagen ihrer Verbündeten. Wenn das westliche Bündnis keinen Erfolg in Afghanistan habe, sei mit einem "sehr ernsten Anstieg der Gewalt" zu rechnen. Afghanistan sei der "ultimative Test" für die Nato und das gesamte westliche Bündnis, sagte Holbrooke dem "Handelsblatt".
US-Präsident Barack Obama hatte in einer Rede über seine Afghanistan-Strategie angekündigt, dass er in der ersten Jahreshälfte 2010 die US-Truppen in Afghanistan um 30.000 auf knapp 100.000 Soldaten aufstocken wird. In den vergangenen Tagen wurde immer wieder die Zahl von 2000 zusätzlichen deutschen Soldaten genannt, die die USA in Afghanistan sehen wollen.

Was hat sich das Nobelpreiskomitee dabei nur gedacht?