Sauermann, „Obama – Hoffnungen und Enttäuschungen“
Die Würfel für Afghanistan sind gefallen. Typisch Obama:
Die Würfel für Afghanistan sind gefallen. Typisch Obama:
Einerseits wird um 40.000 Soldaten erhöht, andererseits soll der Abzug 2011 beginnen. Ein doppeltes Signal: Mehr Krieg soll zum Frieden führen. Erinnert an: Fighting for Peace is like fucking for virginity. Bei allem, was sonst noch dazu zu sagen wäre: Für jeden zusätzlichen Soldaten pro Jahr in Afghanistan muss Obama eine Million US-Dollar aufbringen. 30.000 Soldaten (der Rest kommt von den Vasallen) kosten ihn schlappe 30 Milliarden Dollar. Uncle Sam schwimmt bereits in einem Meer von Schulden, Oberkante Unterlippe. Das hält der Dollar nicht durch. Selbst wenn die Supermacht am Hindukusch siegt (was unwahrscheinlich ist): Es wäre ein Pyrrhus-Sieg, der den Sieger zerstört.
Zum Doppelcharakter von Obama habe ich in der Reihe COMPACT im November ein aktuelles Buch herausgegeben, das das Janusgesicht des neuen Präsidenten exzellent herausarbeitet.
Zum Doppelcharakter von Obama habe ich in der Reihe COMPACT im November ein aktuelles Buch herausgegeben, das das Janusgesicht des neuen Präsidenten exzellent herausarbeitet.
„Die Gefahr des Faschismus besteht!“
Obama, Roosevelt und der Charakter unserer Epoche. Gespräch zwischen Jürgen Elsässer und Ekkehard Sauermann
? Herr Sauermann, Sie sind nun mit über 80 Jahren beinahe so alt wie der britische Historiker Hobsbawm, der das vergangene „Jahrhundert der Extreme“ überlebt und sich seinen Optimismus bewahrt hat. Ihn Ihnen hat er, wie mir scheint, einen Geistesverwandten, oder?
Jedenfalls in der Hinsicht, als ich – anders als Francis Fukuyama – die gegenwärtige Epoche nicht als „Ende der Geschichte“ sehe. Man müsste dann ja denken, dass die menschliche Gattung nicht bzw. nicht mehr in der Lage ist, eine höhere Existenzform zu verwirklichen. (…)
? Manche Analytiker fürchten ein Rückfall in die dunkelsten Zeiten des Mittelalters.
Die Erfahrungen der letzten zwei Jahrzehnte, in denen der Kapitalismus den Planeten nahezu allein beherrscht oder doch zumindest dominiert hat, lassen auch Gutgläubige an dem „guten Ende“ zweifeln. (…)
?Ihr Optimismus erinnert mich an die SED- bzw. KPdSU-Formel von der „Epoche des gesetzmäßigen Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus“ …
Das trifft meinen Ansatz nicht. (…)
? Trotz aller Distanz gegenüber der orthodox-sozialistischen Geschichtstheologie beschreiben Sie im Grunde eine spiralförmige Höherentwicklung der Menschheit. Wie aber, wenn wir uns im Kreis bewegen? Wir haben aktuell wieder eine epochale Wirtschaftskrise wie Anfang der 30 Jahre, es drohen Faschismus und Weltkrieg, und da kommt eine vielversprechende Figur, die heute Obama heißt und damals Roosevelt hieß. Bei allem, was sonst noch zu ihm zu sagen wäre: Weltkrieg und Faschismus hat er nicht verhindert.
In Bezug auf die USA hat Roosevelt den Faschismus gestoppt. Die aggressivsten Fraktionen in der Hochfinanz wollten ihn 1934 weg putschen, sie sympathisierten mit Hitler – in dem Kapitel „Die Ultras und Obama“ in diesem Buch bin ich darauf eingegangen. (…)
? Sie schreiben aber selbst, dass Roosevelt mit den profaschistischen Kapitalfraktionen, die ihn 1934 weg putschen wollten, schließlich einen Kompromiss geschlossen hat.
Kompromiss ja, aber nicht mehr. (…) Tatsache ist, dass die soziale Not erst im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges spürbar zurückging, als die Kontrolle der Wirtschaft von privaten in öffentliche Hände überging. Mit den Rüstungsaufträgen sank die Arbeitslosigkeit. Das Dilemma zwischen inflationsbedingtem Chaos und einem Rückfall in die Stagnation löste sich wie von selbst.“
?Der letzte Satz passt exakt zur Situation heute. Auch Obama, so scheint mir, wird nolens volens in den Großen Krieg fliehen müssen, um aus der Großen Depression herauszukommen. Aber im Unterschied zu Roosevelt kann er keinen guten Krieg führen, wie ich den alliierten Kampf gegen die faschistische Achse bezeichnen würde, sondern es wird zu einer sinnlosen Schlächterei kommen, gegen Iran, gegen Russland oder gegen China. Und wenn er diesen Großen Krieg nicht führen will, endet er wie JFK, oder?
