Was von Anfang an klar war, wird ganz langsam zu einem Allgemeingut in der Öffentlichkeit, der Euro war eine Fehlkonstruktion. Staatspleiten und ein Auseinanderbrechen des Währungsverbundes entwickeln sich zu einer realen Gefahr. Unterschiedliche Wirtschaftsräume mit verschiedenen Wirtschaftsstrukturen, Steuersätzen, Gesetzen, Vorschriften, sozialen und ökonomischen Standards unter dem Dach einer Währung zu vereinigen, zeugt von einem ökonomischen Unverständnis und führt mittelfristig bis langfristig ins Desaster. Erst hätte man die unterschiedlichen Standards angleichen müssen und dann wenn überhaupt eine gemeinsame Währung darüberstülpen dürfen.
Stattdessen wurde mit den Konvergenzkriterien (Maastrichtkriterien) und dem Stabilitäts- und Wachstumspakt versucht, die Preisstabilität, eine Begrenzung der Neuverschuldung und des öffentlichen Schuldenstands in den Mitgliedsländern zu sichern. Dies konnte aber keine regionale Wirtschafts-, Fiskal- und Finanzpolitik ersetzen, deren Mittel auch die Auf- und Abwertung der landeseigenen Währung ermöglicht hätte. Von dieser Möglichkeit beraubt haben sich in den PIGS-Staaten (Portugal, Italien, Griechenland und Spanien) unglaubliche Ungleichgewichte vor allem Leistungsbilanzdefizite aufgebaut.
Selbst die kurzfristigen Vorteile aus der Währungsunion für die PIGS-Staaten, wie zum Beispiel niedrige Zinssätze entwickelten sich zum Bumerang, denn die Kredite wurden nicht genutzt um die Volkswirtschaften wettbewerbsfähiger zu machen, sondern es wurden spekulative Blasen vor allem am Immobilienmarkt angeheizt.
Wie weit der Stabilitäts- und Wachstumspakt trägt und wie leicht es geht ihn auszuhebeln zeigte Griechenland. Die neue sozialistische Regierung meldete im Oktober 2009 nach einer Bestandsaufnahme, eine mehr als doppelt so hohe Neuverschuldung des Staates als die Vorgängerregierung nach Brüssel. Die FTD fasste die Pressestimmen unter der Überschrift: Griechenland hat schamlos gelogen zusammen.
Kräftige 12,7% des BIPs wird wohl die Neuverschuldung des Staates in 2009 betragen! Dies ist mehr als das 4-fache dessen was der zahnlose Papiertiger Euro-Stabilitätspakt mit 3% vorschreibt. Satte kumulierte -32,278 Mrd. Euro betrug das Staatshaushaltsdefizit in den ersten 10-Monaten 2009. Dies ist gemessen an nur 40,956 Mrd. Euro Steuereinnahmen des Staates im breiten Zeitraum Januar bis Oktober 2009 ein gewaltiges Defizit zur Deckung der Ausgaben! Ende September 2009 betrug die Staatsverschuldung Griechenlands 297,92 Mrd. Euro, (Total Central Government Debt - not including debt guaranteed by central government (25,69 Mrd. Euro))!
Doch damit nicht genug, selbst diese Zahlen könnten geschönt sein, so befürchtet es der Internationale Währungsfonds (IWF) und will in der kommenden Woche die Staatsfinanzen von Griechenland überprüfen! Griechenland leide nunmehr unter einem "Totalverlust der Glaubwürdigkeit", sagte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou dem SPIEGEL .
Bei einem nominalen Bruttoinlandprodukt, der Summe aller erwirtschafteten Waren, Güter und Dienstleistungen von hochgerechneten ca. 237,1 Mrd. Euro für 2009, liegt die Staatsverschuldung mit 297,9209 Mrd. Euro bereits jetzt bei 125,65% des BIPs! Gemessen an einer Bevölkerung Griechenlands von 11,237 Millionen sind 297,92 Mrd. Euro Staatsverschuldung enorm und entsprechen 26'512 Euro Schulden für jeden Einwohner Griechenlands. Die griechische Auslandsverschuldung (Gross External Debt) ist noch beängstigender, sie betrug Ende Juni 2009 gewaltige 391,107 Mrd. Euro!!
Griechenlands Staatsanleihen-Rating wurde von Fitch Ratings mehr als überfällig am 8. Dezember auf BBB+ gesenkt. Die Auswirkungen dieses Vertrauensverlustes verdeutlicht auch die Differenz zwischen den Renditen der griechischen 10-jährigen Staatsanleihen mit 5,29% und den 10-jährigen deutschen Bundesanleihen die am Freitag bei 3,21% notierten. Die Differenz betrug 208 Basispunkte. Die Zinslast bei den Staatsschulden wird damit bei den Griechen wesentlich höher, da der Kapitalmarkt eine höhere Verzinsung der Staatsanleihen erzwingt und 82,5% der griechischen Staatschulden auf Staatsanleihen basieren!
Das Leistungsbilanzdefizit Griechenlands betrug in den ersten 9 Monaten 2009 immer noch kumulierte -18,332 Mrd. Euro, nach -24,542 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Bereits 2008 betrug das Leistungsbilanzdefizit mit 34,797 Mrd. Euro unhaltbare 14,6% des nominalen BIPs in Höhe von 239,141 Mrd. Euro!
Das griechische Zwillingsdefizit aus Staatshaushalt und Leistungsbilanz betrug in den ersten 9-Monaten 2009 unfassbare 49,311 Mrd. Euro und dürfte bis Ende 2009 ca. 27,8% des BIPs betragen, beispiellos - Chapeau! Diese Daten sind eine "würdige" Umschreibung eines völlig maroden Zustandes und eines Wirtschaftssystems in der Sackgasse!
Nicht nur der Staatshaushalt ist marode, einen Hinweis wie kritisch es um das griechische Bankensystem auf Grund der immensen faulen Kredite in den Bilanzen steht, lieferte die Europaischen Zentralbank, diese hatte das europäische Bankensystem mit 570 Mrd. Euro Liquidität im Zuge der Finanzkrise geflutet, alleine 42 Mrd. Euro soll die EZB in griechische Banken injiziert haben.
Selbst mit einem kräftigen Wachstum und steigenden Staatseinnahmen wären die Verbindlichkeiten Griechenlands kaum zu leisten, aber nahezu unlösbar wird es da die Wirtschaft schrumpft. Das reale BIP in Griechenland ist das dritte Quartal in Folge im Rückgang, zuletzt in Q3 2009 mit -1,7% zum Vorjahresmonat. Die Industrieproduktion sank zuletzt im Oktober um -9,2% zum Vorjahresmonat, das Verarbeitende Gewerbe schrumpfte um -11,8%. Die Einzelhandelsumsätze sanken nach den letzten Daten aus dem September um -7,6% zum Vorjahresmonat.
Die griechischen Exporte schrumpften kumuliert im breiten 9-Monatszeitraum von Januar bis September 2009 um -17,9%auf 10,732 Mrd. Euro nach 13,068 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum!
Die griechische Arbeitslosenquote lag bei 8,9% im 3. Quartal 2009, dies entspricht 442'563 Arbeitslosen. Die gesamte Beschäftigungsanzahl betrug 4,4858 Millionen. Nur noch 11,4% der Beschäftigten bzw. 516'000 arbeiten im Verarbeitenden Gewerbe. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung waren nur noch extrem niedrige 39,9% in einem Beschäftigtenverhältnis. Dies macht die Lösung der wirtschaftlichen Probleme ganz sicher nicht wahrscheinlicher.
Die Situation in Griechenland, Spanien, wie auch Großbritannien und die USA ist sicherlich extrem, sie macht aber deutlich, der Kapitalismus ist Kredit und der ungezügelte exzessive Kredit ist sein Ponzi Scheme, das Abtragen und damit das Tilgen der Kreditpyramiden ist unmöglich geworden und käme einem Systemzusammenbruch gleich.