Mittwoch, 26. Mai 2010

Sturm auf Gold

Euro-Krise und Angst vor Inflation treiben Anleger in vermeintlich sichere Sachwerte. Insbesondere das Edelmetall Gold wird Händlern derzeit aus den Händen gerissen. So mussten bereits die ersten Online-Shops wegen überhöhter Nachfrage schließen.

Mit seinem Sprung über die 1.000 Euro-Marke befindet sich der Goldpreis derzeit auf einem neuen Rekordhoch. Ein Ende dieser Preisentwicklung ist noch lange nicht absehbar, denn Staatsschulden und ein schwacher Euro fördern die Nachfrage nach dem Edelmetall. „Das Vertrauen in eine solide Währungsgesellschaft hat gelitten“, bestätigt Wolff Seitz, Leiter des Marketing- und Produktionsmanagements bei Hansainvest. Aus diesem Grund hat die Anlage in Edelmetalle wie Gold und Silber, aber auch Industriemetalle, deutlich zugenommen. „Gerade Menschen, die sich viel mit Geld beschäftigen und das Vertrauen in die Börse und Politik verloren haben, gehören jetzt zu unserem eifrigsten Klientel“, erklärt Caren Voß, Geschäftsführerin der Vermögensberatung Bullion Vallue, die sich auf Edelmetalle spezialisiert hat. So sei seit Oktober vergangenen Jahres die Käuferbereitschaft nach Gold stark gestiegen. Und seit die Regierung das Hilfspaket für Griechenland beschlossen hat, kommt das Haus mit Nachfragen nach Edelmetallen kaum noch hinterher. „Wir hatten seit vergangenem Oktober täglich etwa 80 bis 100 Anfragen. In den letzten Wochen sind jeden Tag etwa 50 dazugekommen “, erzählt Voß.

Der Ansturm auf Gold hat dazu geführt, dass einige kleinere Online-Shops bereits schließen mussten. Aber auch die bekannteren Shops, wie pro aurum oder Taurus, haben derzeit Lieferschwierigkeiten. „Gerade die jungen Online-Shops, die von der großen Nachfrage profitieren wollten, haben sich finanziell übernommen“, erklärt Voß. Denn eine Verkaufsplattform, in dem Fall die Homepage, koste eine Menge Geld. Ist die Ware aber aufgekauft ist, stelle sich die Frage nach Nachschub. In Zeiten der Knappheit würden Goldhändler zunächst diejenigen Kunden beliefern, die sie schon über Jahre versorgen. Eine gewisse Verknappung herrsche zwar, denn der Aufwand Gold in handliche Formen, wie Münzen, zu verarbeiten, damit sie für Privatanleger erschwinglich sind, brauche Zeit. In den nächsten fünf Jahren seien allerdings noch genügend Gold-Ressourcen vorhanden. Aus dem Grund dürfte auch die Versorgungssicherheit bei einer Investition in Goldfonds und Gold-ETFs gewährleistet sein, solange die Häuser nicht mehr Anteile ausgeben, als sie an Gold physisch hinterlegt haben. Denn neben dem Kauf von physischem Gold, hat auch das Interesse an Goldfonds bzw. -ETFs stark zugenommen. Die weiteren Aussichten auf die Goldpreisentwicklung seien gut. Innerhalb der nächsten fünf Jahre geht Voß von einer Verdopplung des Preises auf 2.500 Euro aus.