Dienstag, 23. März 2010

Grossbritannien hat Probleme

Zweifelsohne weiß man in Deutschland, was „Schadenfreude” ist. Der Versuch des deutschen Magazins Der Spiegel das Vereinigte Königreich mit den Mühseligkeiten Griechenlands zu verbinden, treibt das Konzept jedoch zu einem boshaften und irrationalen Extrem.

“Das Britische Pfund torkelt. Die Wirtschaft befindet sich in der schlimmsten Krise seit 1931 und das Land kam um Haaresbreite an einer tiefen Rezession vorbei. Spekulanten setzen gegen einen Aufschwung. Die Instabilität des Bankensektors hatte in Großbritannien einen nachteiligeren Effekt auf die Staatsfinanzen als in anderen Industrieländern. Londons Haushaltsdefizit wird dieses Jahr £186 Milliarden betragen (€ 205 Milliarden bzw. $ 280 Milliarden) – ganze 12, 9 Prozent des Bruttoinlandprodukts.”
Der Spiegel

Klingt ziemlich düster, insonderheit, da das britische Haushaltsdefizit sogar größer ist als das der „korrupten” Griechen, die von den Deutschen in der Presse ebenfalls für ihre mutmaßlichen finanziellen Verschwendungen missbraucht und abgestraft werden.

Der Artikel selbst strotzt allerdings vor intellektueller Unredlichkeit. Man sollte nicht einfach gedankenlos Staaten der Europäischen Währungsunion (EWU) – Deutschland eingeschlossen –, die über keine wirkliche fiskalische Autorität souveräner Staaten im eigentlichen Sinne des Wortes verfügen, mit solchen wie Großbritannien verwechseln. Großbritannien hat das Glück, eine Regierung zu haben, die mit einem geldschöpferischen Monopol ausgestattet ist, das flexible Wechselkurse zulässt (auch wenn die Briten das noch nicht wirklich herausgefunden zu haben scheinen). Und, so seltsam es auch klingen mag: Verschwendungen der öffentlichen Hand sind in diesen Zeiten der Vorsicht deutschen Stils vorzuziehen, denn wenn die Ausgaben und Kreditnahmen des privaten Sektors in den Ruhezustand übergehen, muss die Kreditnahme der Regierung bedeutend gesteigert werden, um für Ausgleich zu sorgen. Selbst die französische Finanzministerin Christine Legarde scheint diese Tatsache zu verstehen – und bekommt dafür den Druck ihrer deutschen „Partner“ zu spüren. Ihre Verfehlung? Sie hatte die Kühnheit besessen, vorzuschlagen, dass Berlin erwägen möge, die Binnennachfrage anzukurbeln, um so Defizitländern dabei zu helfen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückzuerlangen und die öffentlichen Finanzen in Ordnung zu bringen. Darauf hinweisend, dass „es derer zwei braucht, um Tango tanzen zu können”, legte Lagarde nahe, dass eine erweiterte Fiskalpolitik hier eine Rolle spielen müsse, nicht nur schlicht „erzwungene Defizitprinzipien“.