Freitag, 12. Februar 2010

Für unsere Bürgerrechte und gegen totale Kontrolle

Eine Rede, gehalten auf der New England-Antikriegskonferenz am 30. Januar 2010 im Massachusetts Institute of Technology / MIT -

Hallo Leute! Ich fühle mich geehrt, dass ich zu dieser wichtigen Antikriegskonferenz eingeladen wurde. Weil ich gerade dabei bin, mein nächstes Buch „The Road to Afghanistan“ (Der Weg nach Afghanistan) zu veröffentlichen, habe ich alle anderen Einladungen, eine Rede zu halten, abgelehnt. Aber diese Einladung war mir so wichtig, dass ich sie gern angenommen habe, um mit meinen Freunden und anderen Menschen dem „Krieg gegen den Terror“, dieser verlogenen Rechtfertigung für den Krieg in Afghanistan und Pakistan, entgegentreten zu können.

Lassen Sie mich zu Beginn meine eigene Position verdeutlichen. Es gibt tatsächlich Leute im Ausland, einschließlich einiger muslimischer Extremisten, die Amerika mit Terror bedrohen. Aber es ist kristallklar – und viele Menschen innerhalb und außerhalb der Regierung wissen das auch – dass dieses Problem nicht beseitigt, sondern verschlimmert wird, wenn Washington immer mehr US-Truppen in immer mehr Länder schickt, wo sie nicht hingehören. (1)

Der Krieg gegen den Terror ist ein ebenso ungeeignetes Heilmittel wie der US-Krieg gegen Drogen, der, wie wir in Kolumbien gesehen haben, das Drogenproblem vergrößert und nicht verringert. Der Krieg gegen den Terror und der Krieg gegen Drogen haben eine Gemeinsamkeit: Mit beiden wird versucht, die unnötige Tötung Tausender Menschen – amerikanischer Soldaten und ausländischer Zivilisten – in unnötigen Kriegen ideologisch zu rechtfertigen.

Warum fällt Amerika immer wieder über Länder in weit entfernten ölreichen Regionen her, die uns nichts getan haben? Das ist eine wichtige Frage, auf die wir eine klare Antwort für das amerikanische Volk suchen sollten. Unglücklicherweise ist das eine Frage, die auch zu ernsthaften Meinungsverschiedenheiten und zur Spaltung der Antikriegsbewegung geführt hat; sie hat auch schon Menschen und sogar Freunde in der Bewegung gegen den Vietnam-Krieg in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts auseinander gebracht.

Vielleicht erinnern sich noch einige der in diesem Raum Versammelten daran, dass es damals auch Unstimmigkeiten zwischen Noam Chomsky und mir in der Analyse der Ursachen des Vietnam-Krieges gab. Das hielt Noam und mich aber nicht davon ab, uns auf der gleichen Kundgebung gegen den Krieg auszusprechen und trotz öffentlich ausgetragener Meinungsverschiedenheiten Freunde zu bleiben. Wir stimmten nämlich auch in vielem überein.

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