Freitag, 5. Februar 2010

CIA-Agenten verkaufen Spionagetricks an die Wall Street

Hedgefonds und Wall-Street-Firmen scheuen kaum Mittel, um sich Vorteile zu verschaffen - inzwischen nutzen sie offenbar auch Geheimdienstmethoden. Ein US-Autor enthüllt, dass sich ehemalige und aktive US-Agenten als Finanzanalysten verdingen: Sie verraten Tricks des Spionagegewerbes.

Die CIA leidet an chronischer Personalnot. So ausgebrannt ist der US-Geheimdienst, dass er seit einiger Zeit sogar mit Comic-Broschüren nach neuen Agenten fischt ("CIA-Angestellte sind normale Menschen"). Im vergangenen Jahr schaltete der Geheimdienst Radiospots für frustrierte Wall-Street-Banker: "Wenn dir die Jagd nach Profit nicht länger genügt, bietet die CIA eine unvergleichliche Mission. Bewirke etwas, für deine Karriere und deine Nation!"

Karrierechancen gibt es wohl aber auch andersrum - von der CIA zur Wall Street.
Der Washington-Insider Eamon Javers enthüllt in einem Buch, dass Finanzkonzerne und Hedgefonds seit längerem auf Hilfe von Geheimdienstlern zurückgreifen, um Geschäftspartnern und Rivalen auf die Schliche zu kommen. "Broker, Trader, Lawyer, Spy - The Secret World of Corporate Espionage" heißt das Werk, auf Deutsch: "Broker, Händler, Anwalt, Spion - die geheime Welt der Unternehmensspionage". Es erscheint in der kommenden Woche in den USA und beschreibt im Detail, wie sich CIA-Agenten ein Zubrot verdienen, indem sie Wall-Street-Akteure beraten und ihnen Tricks des Spionagegewerbes verraten. Unter anderem, wie man am Verhalten eines Gesprächspartners erkennt, ob er die Wahrheit sagt, und sich so profitable Vorteile sichert.

"Mitten in zwei Kriegen und dem Kampf gegen al-Qaida bietet die CIA ihren Mitarbeitern die Gelegenheit, mit ihrer Fachkenntnis nebenher bei Privatunternehmen hausieren zu gehen", schreibt Javers. Die "nie zuvor enthüllten Methoden" böten "Finanzfirmen und Hedgefonds Zugang zum Top-Geheimdiensttalent der Nation".