Samstag, 28. November 2009

Machtkämpfe

Der Bundesminister Franz Josef Jung ist Geschichte. Er ging nicht freiwillig, ganz sicher auch nicht schuld- und grundlos. Die Vorgänge um den verheerenden Luftangriff auf zwei Tanklastzüge in der Nähe von Kundus sind hinlänglich bekannt. Doch im Dunkeln liegen nach wie vor die Vorgänge innerhalb der Regierung und in den Reihen der Union, die letztlich zum Rückzug des Ministers führten.
Sie gänzlich aufzuklären, dürfte schwierig sein. Sicher aber scheint zweierlei. Erstens war es nicht die Kritik der Opposition, es war der Druck aus den eigenen Reihen, dem Jung am Ende nicht Stand hielt. Zweitens konnte die Regierungschefin ihn gegen diesen Druck nicht halten.
Wer Angela Merkel in den vergangenen Tagen beobachtet hat, wird den Eindruck bestätigen, dass sie Jung nicht entlassen wollte. Sie sah, so schien es, gar keinen Grund für seinen Rücktritt. Und als er schließlich mit einem Tag Verzögerung dann doch ging, sprach sie ihm „Respekt und Hochachtung“ aus, beschrieb ihn als „stets gradlinigen Kollegen“ und würdigte Jung schließlich mit der sehr persönlichen Bemerkung, dieser sei „ein feiner Mensch“.
Höchstes Lob zum Abschied? Gemeinhin klingen Nachrufe von Regierungschefs auf entlassene Minister anders. Da wird für die Arbeit gedankt und alles Gute gewünscht. Das war’s. Nicht so bei Merkel und Jung.