Die deutsche Auslandsspionage tarnt ihre Agenten selbst in Kriegsgebieten als Entwicklungshelfer. Dies geht aus übereinstimmenden Berichten über die Festnahme dreier Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan am vergangenen Wochenende hervor.
Demnach gaben die drei Spione an, in der sogenannten Entwicklungspolitik tätig zu sein, und nutzten Fahrzeuge und Visitenkarten mit dem Logo der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die GIZ ist, wie andere deutsche Organisationen auch, in dem Grenzgebiet tätig, in dem der Westen einen auf erheblicher geheimdienstlicher Unterstützung basierenden Krieg gegen Helfer der Aufständischen in Afghanistan führt.
Der BND nimmt mit seiner Tarnpraxis eine zusätzliche Gefährdung der Entwicklungshelfer in Kauf. Im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan ist der BND seit den 1980er Jahren aktiv; er unterstützte dort Warlords, die bis heute am Hindukusch Krieg führen. Die damalige BND-Tätigkeit trug auch dazu bei, den Geheimdienst Pakistans zu stärken, der heute als eine der maßgeblichen Kräfte im pakistanischen Establishment gilt.
BND-Verbindungsbüro
Die pakistanische Polizei hat am vergangenen Wochenende in Peshawar im Nordwesten des Landes drei Deutsche festgenommen. Die zwei Männer und eine Frau waren dort für die Auslandsspionage tätig, laut Berichten bereits seit den 1980er Jahren. Sie betrieben dort das örtliche Verbindungsbüro des Bundesnachrichtendienstes (BND).
Die Existenz der BND-Präsenz ist spätestens seit den 1990er Jahren einer breiteren Öffentlichkeit bekannt; ohnehin kann der Aufenthalt westlicher Ausländer in der Grenzstadt, die von den Repressionskräften strikt abgeschottet wird, keinesfalls verborgen bleiben. Die pakistanische Polizei hat das Verbindungsbüro versiegelt und die drei BND-Agenten der deutschen Botschaft in Islamabad übergeben.
Ihre recht plötzliche Festnahme wirft ein Schlaglicht auf drei Facetten der deutschen Spionageaktivitäten — auf ihre Funktion seit den 1980er Jahren, auf die aktuell zunehmenden Spannungen zwischen Pakistan und dem Westen und auf die Nutzung entwicklungspolitischer Organisationen durch den Auslandsgeheimdienst.
Kampf gegen Kabul
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