Am Samstag in Brüssel: Artemis, 20, deutsche Studentin mit iranischen Wurzeln, trägt als Zeichen des Protests eine rote Feder hinter dem Ohr. "Wir sind empört, nicht resigniert", skandiert sie auf Französisch. Verkleiden sei nicht so ihr Ding, sagt sie. Aber das der 7000 Menschen um sie herum, in Clownskostümen sind sie gekommen und mit Merkel-Masken. "Schuldig, schuldig!", rufen sie den Filialen der Banken zu, an denen sie vorbeiziehen. Artemis ist glücklich. "Die Leute sind laut! Sie gehen nicht, sie tanzen! Und so viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern."
Am Sonntag in Frankfurt: Auf der Wiese kleine Igluzelte, dahinter glänzt mächtig der Turm der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Sonne. Es riecht nach Ratatouille, jemand fragt, wer jetzt alles vegan essen will. "Großbanken zerschlagen" steht auf einer Banderole. Es ist der Tag nach der großen Demonstration, 5000 waren gekommen, auch Sebastian, 27. Dass ein Banker tausendmal mehr verdient als ein Müllmann, das mache ihn wütend, sagt er. Dass die Banken mit so viel Geld gerettet werden. Deswegen hat er hier übernachtet, morgen müsse er aber wieder in die Uni. Ein paar junge Menschen jonglieren, einer klimpert auf der Gitarre Rolling-Stones-Songs. Manche trinken Bier.
Am Samstag in Madrid: Ana Moreno demonstriert heute zum ersten Mal. Mitte 30 ist sie, Schauspielerin, schwarze Haare, knallroter Lippenstift. Dies sei eine weltweite Bewegung, sagt sie. "Unidas cambio global", heißt es auf einem Banner. Ana Moreno ist wütend. Die Situation in Spanien ist einfach nur scheiße, sagt sie. Dass die Banken die Hauseigentümer vor die Tür setzen und dass sie selbst nicht weiß, wie sie im Sommer, wenn sie keine Arbeit hat, die Miete zahlen soll.
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