Unterschicht, Mittelschicht, Oberschicht, HARTZ-IV, sozial Schwache, sozial Starke, Bildungsferne, Bildungsnahe, Leistungsverweigerer, Leistungsträger.
So kann man nicht nur Werbung, sondern ganze Gesellschaften konstruieren. Dies sind übrigens Worte, die ausschließlich im Kontext einer Agenda2010 in den letzten 12 Jahren, aufgrund von entsprechenden ThinkTank-Studien und darauf beruhender politischer Aktionen ihre hauptsächliche Verbreitung fanden.
Wenn von unbewussten Automatismen gesprochen wird, dann sind i.d.R. jene Dinge gemeint, die so ein menschlicher Körper von sich gibt, ohne dass dessen Inhaber noch größer dabei nachdenken muss. Die Dinge also, die bereits so zur Routine geworden sind, dass der Routinier sich auf eine einigermaßen sichere Funktionalität verlässt, ohne dabei ständig hochkonzentriert den Verlauf überwachen zu müssen. Dabei unterscheidet man gerne zwischen positiven und negativen unbewussten Automatismen. Gehen, Laufen, Essen, vor dem morgendlichen Aufstehen die Augen öffnen, oder das rechtzeitige Ausweichen vor einem Auto auf der Straße, kann man getrost zu den positiven Entsprechungen zählen. Nasenbohren, Stottern, reflexhaftes Zuschlagen in Amtsstuben und Zähnefletschen beim Metzger, werden eher negativ interpretiert. Jetzt haben die Psychologen bzw. Psychotherapeuten natürlich eine weitaus kompliziertere Sicht darauf. Und der eine oder andere wird in seinen personenzentrierten Systemtheorien oder systemischen Therapien eher mit Worten wie Sensumotorik, psychomotorischen Symbolen, unwillkürlichen Prozessen, Vernetzung, Kontextualisierung und wirklichkeitskonstruktiven Perspektiven um sich schmeißen. Aber das interessiert mich jetzt hier erstmal gar nicht. Ich kann diese Maschinisten und Systemfritzen sowieso nicht ab. Sprechen wir einfach von guten, und schlechten Gewohnheiten.
Womit wir mit meiner vorletzen Erwähnung, welche ich mal ganz bewusst etwas heftig mit "Maschinisten" und "Systemfritzen" verblümt habe, - beim Thema wären. Reizwortmechanismen und Schubladen. In meinem Fall, führt die Erwähnung des einfachen Wortes "System" im Verbund mit Menschen, zwar nicht tatsächlich zu solch Pauschalierungen, aber doch mittlerweile ganz unbewusst zu erhöhter Aufmerksamkeit und auch vorsichtiger Distanz. Wann immer man auf diese Verbindung; "System" und "Mensch" gestoßen ist, ist man auf kalte, sachliche und distanzierte Bewertung, Kategorisierungen, und vor allen Dingen, auf als Analyse verkaufte Konstruktionen mit höchst zweifelhaftem Wert gestoßen, deren Auffälligkeiten darin bestanden, dass sie absolut empathiefrei und menschlich entfremdet waren, sowie technokratischer als jeder echte Maschinenbauer es je sein könnte. Ab einer gewissen Quantität und Häufigkeit, werden Dinge nun mal zu Gewohnheiten, und dann reichen mitunter einfache Reiz- oder Schlüsselwörter als Auslöser für gewohnte Reaktionen und Erwartungen. Wobei ich mir immerhin noch zugute halten kann, neben meiner Umwelt, auch mich selber zu reflektieren. Und damit mitunter ganz brauchbar, allzu großen Pauschalierungen und Kategorisierungen entgegen zu wirken.
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