Die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Die Ursachen der globalen Krise des Kapitalismus sind keineswegs beseitigt.
Trotzdem wäre es für jede marxistische Organisation fahrlässig, sich mit der Widerholung der für sich genommen durchaus richtigen Einschätzung zu begnügen, dass die längere, historische Krisenperiode, in die der Kapitalismus seit 2007 eingetreten ist, weitergeht, dass die grundlegenden Probleme der Weltwirtschaft nicht beseitigt sind und die Konkurrenz zwischen den Kapitalien, Staaten und Blöcken weiter verschärft wurde.
Für eine Einschätzung der aktuellen Entwicklung ist das jedoch ganz und gar ungenügend, da so die zunehmenden Ungleichheit der internationalen wirtschaftlichen Entwicklung und die daraus resultierenden politischen Veränderungen nur allzu leicht aus dem Blick geraten.
Die Weltwirtschaft
Zunächst einige Kennziffern zur aktuellen Lage der Weltwirtschaft. Die globale Produktion erreichte lt. Sachverständigenrat der Bundesregierung Mitte 2010 wieder das Niveau vor der globalen Rezession. Auch der Welthandel hat fast Vorkrisenniveau erreicht.
Die Volkswirtschaften Chinas, Indiens und Brasiliens sind 2010 massiv gewachsen, während Japan, USA und ein großer Teil der EU nur geringes und fragiles Wachstum zeigten.
Unter den etablierten Zentren des Weltkapitalismus manifestiert sich zugleich auch eine Verschiebung. Die BRD hat einen deutlichen Aufschwung der Industrieproduktion und der Exportwirtschaft, mittlerweile aber auch ein Wachstum des Privatkonsums zu verzeichnen. Mitte 2011 wird die Produktion aller Voraussicht nach das Vorkrisenniveau erreichen.
Die Aufschwungphase der Weltwirtschaft ist zwar labil, dürfte aber 2011 andauern. Aber hinter eine solche Einschätzung verbergen sich enorme Ungleichgewichte:
• China, Indien, Brasilien werden versuchen, ihr größeres Gewicht in der Weltwirtschaft weiter auszubauen;
• die USA und Japan befinden sich weiter in einer von Stagnation geprägten konjunkturellen Lage;
• die USA und die meisten Länder in EU - darunter wichtige imperialistische Staaten wie Britannien und Frankreich - haben einen enormen Anstieg der Verschuldung zu verzeichnen;
• der Dollar als dominierender Währung hat weiter Boden verloren, aber auch der Euro befindet sich in einer Krise;
• das führt zu verschärfter Konkurrenz, die u.a. als Kampf zwischen den Währungskursen ausgetragen wird;
• die US-Hegemonie hat weiter abgenommen; auch die Ergebnisse der Kongresswahlen und Skandale wie wikileaks haben zu einer weiteren Schwächung der US-Regierung geführt;
• Institutionen wie die G8 sind - jedenfalls in unmittelbarer Zukunft - durch die G20 ersetzt worden, was politisch die Veränderung der Weltwirtschaft zum Ausdruck bringt.
Kurzum, die kommende Phase des Aufschwungs wird nicht nur durch eine Vertiefung der ungleichen konjunkturellen Entwicklung und die weitere Verschiebung der wirtschaftlichen Gewichte, sondern auch durch verschärfte ökonomische und politische (und letztlich auch vorbereitende militärische) Konkurrenz zwischen den imperialistischen Staaten bzw. entstehenden Blöcken geprägt sein.
Die Krise in Europa
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