JFK. Die deutsche Fassung
Schwitzige Hände. Das ist es, was Beobachtern am Dienstagabend an Christian Wulff auffällt. Der Kandidat ist hochnervös. Die Union feiert im Berliner Hotel Martim ein Fest für die Wahlfrauen und -männer, die tags darauf in der Bundesversammlung sitzen werden. Risiko? "Die wollen doch alle im Bundestag bleiben", spottet Fraktionschef Volker Kauder. Soll heißen: Fällt Wulff durch, ließen sich Neuwahlen vielleicht nicht vermeiden. Diese Aussicht - bei Umfragewerten um die 30 Prozent - werde die eigenen Leute schon disziplinieren. Kauder sollte Recht behalten.
Abspann von Schwarz-Gelb?
Aber das weiß Wulff am Mittwochmittag noch nicht. Als er im Bundestag Platz nimmt, vorderste Sitzreihe der Unionsfraktion, links Angela Merkel, rechts CSU-Chef Horst Seehofer, geht es mit den Händen wieder los. Wulff faltet sie, wie zum Gebet, presst die Daumen aneinander. Stellt er die Zeigefinger nach vorne, presst auch diese aneinander. Die Anspannung, der Druck ist übermächtig. Oben, auf der Besuchertribüne, steht seine Ehefrau Bettina im engen schwarzen Sommerkleid, neben ihr Wulffs Tochter Annalena aus erster Ehe. Joachim Gauck, Kandidat von SPD und Grünen, ist ebenfalls auf der Tribüne. Er mag nicht unten im Saal sitzen, will sich keiner Partei zuordnen. Er bevorzugt die Vogelperspektive. Pech für ihn, dass Bettina Wulff auf gleicher Höhe steht. Was tun? Sie begrüßen? Small-Talk halten? Geht das überhaupt an einem solchen Tag? Gauck versteinert zum Denkmal. Bettina Wulff geht fröhlich auf ihn zu und drückt ihm einfach die Hand. Entspannung im Adlerhorst.
Unten, im Saal, entfaltet sich unterdessen ein Prozess, der noch die kühnsten Hoffnungen von Krimiliebhabern übertreffen soll. Verräter wird es geben, Feiglinge, Aussichten auf neue politische Zukünfte und Einpeitscher, die dafür sorgen werden, dass alles schließlich doch noch ins kleine parteipolitische Karo passt. Der Ausgang des ersten Wahlganges, schlägt ein wie ein Blitz: 600 Stimmen für Wulff, 499 für Gauck, 126 für die Kandidatin der Linken, Lukretia Jochimsen. Also gibt es im schwarz-gelben Lager so viele Abweichler, dass Gauck die absolute Mehrheit bekommen hätte, wenn sich die Linke auf seine Seite geschlagen hätte. Eine theoretische Variante. Aber was für einen Donnerschlag wäre das gewesen: Merkel, Wulff, Seehofer, Guido Westerwelle, noch vor 13 Uhr erledigt. Die Republik wäre einen andere.
Schwenk auf die Linke
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Merkel und Schwesterwelle sind am Ende. Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit. Neuwahlen noch in diesem Jahr. Der Linksrutsch in Deutschland ist vorprogrammiert und damit das Ende des Wohlstandes.