Die globalen Ungleichgewichte im Handel ohne entsprechende Währungsanpassungen sind ein weiterer Grund. So werden seit Jahren die riesigen Leistungsbilanzdefizite der USA durch China und arabische Länder gedeckt. Und das geht so: Die USA kaufen riesige Mengen an chinesischen Waren. Mit den Verkaufserlösen erwirbt das Reich der Mitte vor allem US-Staatsanleihen. Eigentlich müsste sich dadurch die chinesische Währung aufwerten, da China wirtschaftlich stark ist und seine Währung gesucht. Tut sie aber bisher nicht, da der Yuan-Wechselkurs bis vor wenigen Tagen fix an den Dollar gekoppelt wurde. Und auch jetzt besteht nur wenig Raum für einen Kursanstieg.
Ungleichgewichte rufen nach flexiblen Kursen
Zu den Ländern, die Leistungsbilanzüberschüsse erzielen, gehören auch Deutschland, Japan und die ölexportierenden Staaten. Auf der Defizitseite finden sich neben den USA Grossbritannien, Spanien und Teile Osteuropas. Das Problem der Eurozone ist, dass Ungleichgewichte, beispielsweise zwischen Deutschland und Griechenland, nicht über den Wechselkurs ausgeglichen werden können – es verwenden ja beide den Euro. «In der Vergangenheit waren Festkurs-Systeme besonders anfällig auf jegliche Art von Schocks – das verdeutlichen die jüngsten Probleme des Euro», sagt Susanne Toren, Währungsspezialistin der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Denn der Wechselkurs als wichtiges wirtschaftspolitisches Instrument des Gegensteuerns entfalle weitgehend.
«Diese Art von Umwälzungen an den Devisenmärkten sind Gott sei Dank nicht an der Tagesordnung», sagt Susanne Toren. Sie seien nämlich mit beträchtlichen volkswirtschaftlichen Kosten wie etwa der Kursabsicherung im Aussenhandel verbunden. Grosse Währungskrisen habe es schon immer gegeben, etliche auch in den vergangenen 100 Jahren – sehr viele im Zusammenhang mit politischen Umwälzungen, aber auch solche mit festen Wechselkurssystemen wie der Zusammenbruch des Bretton-Woods-Festkurssystems Anfang der Siebziger Jahre.
Ein Kunstgebilde als Reserve
Weiterlesen