Montag, 11. Januar 2010

Unwichtiger Blödsinn

Die Preise von Basismetallen und Agrarrohstoffen drohen in den kommenden Tagen wegen der Neugewichtung der wichtigsten Indizes S&P GSCI und Dow Jones-UBS unter Druck zu geraten.
Analysten warnen vor der Gefahr einer kräftigen Abwärtskorrektur der Kurse nach deren Rally im Vorjahr. Seit Freitag und noch bis diesen Donnerstag wird bei der Umstellung der Indizes der Anteil der einzelnen Rohstoffe auf die Ausgangsgewichtung zurückgesetzt, die sich nach dem Weltproduktionsanteil (S&P GSCI) oder der Handelsaktivität (DJ-UBS) richtet.

Schon am Freitag belasteten spekulative Verkäufe von Investoren zeitweise die Metallnotierungen. Und vor zwölf Monaten trug etwa die Erhöhung der Indexgewichte von Kupfer und Rohöl maßgeblich zur markanten Jahresauftaktrally dieser Anlageklassen mit Preissteigerungen von 10 bis 15 Prozent innerhalb von nur zwei Wochen bei, erinnert Frank Schallenberger, Rohstoffstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).
Auch jetzt wird es laut Schallenberger wieder gravierende Indexänderungen geben. Wegen der überdurchschnittlich starken Preisentwicklung im vergangenen Jahr stehe den Basismetallen eine signifikante Reduzierung ihres Indexanteils bevor. „In besonderem Maße trifft dies Kupfer, dessen Gewichtung sich im DJ-UBS um vier Prozentpunkte verringert wird“, sagt Schallenberger.
Bei einem zugrunde gelegten Anlagevolumen von etwa 50 Mrd. $ in Indexprodukten, die auf dem DJ-UBS-Barometer basieren, dürfte dies Kupferverkäufe von rund 2 Mrd. $ nach sich ziehen, prognostiziert der Experte. In Produkte auf den S&P GSCI sind Schätzungen zufolge mehr als 100 Mrd. $ investiert. Kupfer sei besonders anfällig für Kurseinbußen, ebenso wie Rohöl, dessen Indexgewicht um 2,5 Prozentpunkte fällt.
Der S&P-GSCI-Rohstoffindex, der bei Finanzinvestoren einer der populärsten Indizes ist, schloss 2009 mit einem Plus von 50,4 Prozent – der stärkste Anstieg seit seinem Start im Jahr 1970. Die Preise von Rohöl und Industriemetallen wie Blei und Kupfer haben sich 2009 mehr als verdoppelt. Der Zuckerpreis kletterte in New York im Jahresverlauf um 170 Prozent auf ein 28-Jahres-Hoch. Die Direktinvestitionen in Rohstoffe erreichten nach Schätzungen von Barclays Capital 2009 ein Rekordniveau von 60 Mrd. $ und dürften auch in diesem Jahr erneut kräftig zulegen.
Nach Angaben der Rohstoffanalysten der Commerzbank liegt die gegenwärtige Gewichtung der vier im DJ-UBS-Index enthaltenen Metalle Aluminium, Kupfer, Zink und Nickel bei mehr als 26 Prozent, während die Zielgewichtung weniger als 19 Prozent beträgt. Daher prognostizieren sie, dass etwa 3 Mrd. $ aus dem Metallsektor zugunsten anderer Segmente abfließen dürften. „Aus unserer Sicht ist der Umstellungseffekt in den Preisen noch nicht ausreichend berücksichtigt.“ Besonders stark dürften die Märkte für Zink und Kupfer betroffen sein, erwarten die Analysten. Den Zinkpreis belaste zusätzlich ein starker Anstieg der Vorräte in Schanghai.
Dagegen sollten die Märkte für Erdgas und Getreidepreise von der Index-Umstellung profitieren. So steigt das Gewicht von Erdgas um 3,5 Prozentpunkte, das von Mais um drei und von Soja um zwei Prozentpunkte. Bei Erdgas und Mais dürften einige Käufe allerdings schon vorgezogen worden sein, glaubt Schallenberger. Zudem sinkt die Gewichtung von Zucker um zwei Prozentpunkte, was das Anlagevolumen drücken dürfte.