Montag, 11. Januar 2010

Nur 200 Milliarden?

Bei der Hypo Real Estate werden die Pläne für eine riesige Bad Bank konkreter: In der nächsten Woche will die angeschlagene Immobilienbank nach SPIEGEL-Informationen den Antrag stellen - und Schrottpapiere im Wert von bis zu 200 Milliarden Euro auslagern.
Hamburg - Zurzeit überprüfen der Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin und das Bundesfinanzministerium, wieviel zusätzliches Eigenkapital und zusätzliche Garantien die im vergangenen Herbst verstaatlichte Bank braucht. In die Bad Bank sollen Schrottpapiere sowie problembehaftete oder nichtstrategische Staatsanleihen und Immobilienkredite mit einem Volumen von 180 bis 200 Milliarden Euro ausgelagert werden.
Zwar können in einer solchen Bad Bank alle Risikopositionen und nichtstrategischen Geschäftsbereiche im Grundsatz zum Buchwert abgespalten werden und müssen dann nicht mehr abgeschrieben werden. Aber dennoch bleibt die HRE der Eigentümer.
Nun wird geprüft, ob ein gutes Rating für die HRE und ihre Bad Bank nicht schon dadurch gewährleistet ist, dass der Soffin und damit letztlich der Staat ihr 100-Prozent-Inhaber ist. Andernfalls müsste der Soffin bei der HRE noch einmal viele Milliarden nachschießen. Bisher sprang der Staat mit einer Eigenkapitalhilfe von sechs Milliarden Euro und Garantien von aktuell 95 Milliarden Euro ein.
Die HRE hatte Ende 2008 wegen Fehlspekulationen der irischen Staatsfinanzierungstochter Depfa vor dem Aus gestanden. Der ehemalige Dax-Konzern wurde schließlich mit Milliardenhilfen anderer Banken und des Bundes gerettet. Im vergangenen Sommer wurde ein Konzernumbau angestoßen: Das als zukunftsträchtig erachtete Geschäft mit Immobilien- und Staatsfinanzierungen in Europa ist seither in der Deutschen Pfandbriefbank gebündelt.
Die EU-Kommission genehmigte im Dezember vorübergehend zwei Staatsgarantien im Umfang von acht und von zehn Milliarden Euro für die HRE. Bereits seit einiger Zeit steht fest, dass eine Abwicklungsanstalt ein Volumen im dreistelligen Milliardenbetrag haben dürfte.