Die Europäische Zentralbank beginnt damit, ihre Liquiditätshilfen zurückzufahren. Ökonomen und Geldhändler hatten zuvor vor einem zu forschen Exit aus der Krisenpolitik gewarnt. Auch Investoren scheinen verunsichert: Der Euro gibt nach.
Die Europäische Zentralbank (EZB) beginnt damit, ihre beispiellosen Liquiditätshilfen zurückzufahren. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet kündigte am Donnerstag an, dass es nach dem Refinanzierungsgeschäft am 16. Dezember keines mehr mit einer Laufzeit von zwölf Monaten geben wird. Der Zinssatz wird nicht mehr fix beim Leitzins liegen, sondern sich nach Sätzen bei kurzfristigeren Refinanzierungsoperationen richten. Das letzte Geschäft mit einer Laufzeit von sechs Monaten soll im März 2010 erfolgen. Die Entscheidung fiel allerdings nicht einstimmig.
"Nicht alle unsere Liquiditätshilfen werden genauso benötigt wie in der Vergangenheit", sagte der Franzose. Er betonte, dies sei absolut kein Signal für eine baldige Zinserhöhung. Den Leitzins beließ die Notenbank wie erwartet bei 1,0 Prozent. Der Euro büßte einen Teil seiner Gewinne zum Dollar ein. Zeitweise sank er auf 1,5086 $. Vor Trichets Ankündigung war er bis auf 1,5141 $ geklettert. Auch Staatsanleihen der Euro-Zone gaben nach.
Gleichzeitig hob die EZB ihre Konjunkturprognose für die Euro-Zone an: Das Bruttoinlandsprodukt der 16 Staaten werde 2010 voraussichtlich um 0,1 bis 1,5 Prozent wachsen, so Trichet. Im September hatten die Ökonomen eine Spanne zwischen -0,5 und 0,9 Prozent vorausgesagt. Trichet warnte dennoch vor einem ungleichen Erholungsprozess und Unsicherheiten.
Die Notenbank steht vor einer heiklen Aufgabe: Sie fürchtet, dass zu hohe Liquidität im System zu neuen Finanzexzessen und hoher Inflation führt und die Banken zu abhängig von ihr werden. Zugleich will sie aber keine neue Zuspitzung der Probleme am Geldmarkt. Das könnte die Kreditvergabe weiter belasten und die Konjunkturerholung gefährden.