Der Mercedes-Benz-Arbeiter in Sindelfingen neigt nicht zur Revolution. Er ist stolz auf seinen Job und stolz auf die Autos, die er baut. Am vergangenen Mittwoch aber waren die Beschäftigten nur noch sauer.
Nachdem ihre Meister sie um kurz vor zehn Uhr informiert hatten, dass die nächste Generation der C-Klasse nicht mehr in Sindelfingen gebaut wird, strömten sie aus den Werkhallen hinaus und liefen zu Bau 1, in dem die Werkleitung sitzt. Der Werkleiter traute sich nicht vor seine Belegschaft. Und auch Daimler-Boss Dieter Zetsche erklärte ihr nicht persönlich, warum die Montage der C-Klasse ins US-Werk nach Tuscaloosa verlagert wird.
So blieb die Belegschaft allein mit ihrer Wut und Ohnmacht. Zweimal schon hatte sie in der Vergangenheit die Verlagerung der Produktion verhindert, indem sie auf Pausen und Zusatzleistungen verzichtete und so die Arbeitskosten senkte. Diesmal hatte der Vorstand gar nicht erst über Einsparungen am Standort Deutschland verhandelt. Es war klar: Auf so viel Geld kann die Belegschaft gar nicht verzichten, um den Verfall des Dollar auszugleichen.
Der Kurs der amerikanischen Währung macht der gesamten deutschen Exportwirtschaft schwer zu schaffen. Neben der Autoindustrie können auch Airbus, ThyssenKrupp und die Maschinenbauer ihre Produkte immer schlechter in den USA verkaufen. Sie können die Preise nicht erhöhen, um den Kursverlust auszugleichen. Ihre Waren wären dann zu teuer. Sie können die Preise aber auch nicht beibehalten. Sie würden dann mit Verlusten verkaufen.
Ein schwacher Dollar begünstigt die USSA mehr, als er schadet. Neben der Entschuldung durch Inflation sinkt natürlich der Preis für US-Produkte und die Kosten für Arbeit in den USA für ausländische Firmen. So zieht es immer mehr Firmen ins Land mit dem größten Markt der Welt. Das spart weitere Kosten. Kann man sich über eine mittelalterliche Waschmaschine von General Electrics freuen, nur weil sie billiger wird? Und wieder zwingen sie der Welt durch ihre Fiskalpolitik ihren Willen auf.