Investoren waren von einer staatlichen Garantie für das hoch verschuldete Konglomerat ausgegangen. Nun stellt ein hochrangiger Regierungsvertreter klar: Wir sind nicht Dubai World. Allerdings gebe es überhaupt keinen Grund zur Sorge.
Die Machthaber des Emirats Dubai distanzieren sich von dem staatlich kontrollierten Konglomerat Dubai World - und stellen Belastungen für dessen Gläubiger in Aussicht. Es gebe keine staatliche Garantie für die Schulden von Dubai World, sagte Abdulrahman al-Saleh, Generaldirektor des Finanzministeriums, am Montag im staatlichen Fernsehen. "Gläubiger müssen ihren Teil der Verantwortung für ihre Entscheidung tragen, den Unternehmen Geld zu geben. Sie denken, Dubai World ist Teil der Regierung, was nicht richtig ist." Zumindest kurzfristig werde die Restrukturierung Investoren treffen, räumte er ein.
Investoren reagierten verschnupft: Der Dax baute seine Verluste aus und fiel um bis zu 1,4 Prozent auf 5607,82 Punkte. Die Kosten für eine Absicherung gegen einen Ausfall von Dubai-World-Anleihen stiegen: Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS) auf die Papiere legten auf 654 Basispunkte zu, nachdem sie zuvor von ihren Ende voriger Woche erreichten Höchstständen von über 700 gefallen waren.
Vergangene Woche hatte die Regierung Investoren weltweit mit der Ankündigung schockiert, Dubai World und der dazu gehörige Immobilienentwickler Nakheel wollten ihre Gläubiger um einen mindestens sechmonatigen Zahlungsaufschub bitten. Dubai World hat fast 60 Mrd. $ Schulden, das entspricht drei Viertel der Verbindlichkeiten des Landes. Investoren waren von einer impliziten Garantie ausgegangen - dafür spricht unter anderem, dass die Kosten für eine Absicherung gegen den Ausfall von Staatsanleihen vergangene Woche in die Höhe schnellten.
Die Reaktion der Märkte auf die Bitte des Konglomerats um Zahlungsaufschub sei übertrieben gewesen, sagte al-Saleh weiter. Es gebe keinen Anlass zur Sorge. Langfristig würden die Gläubiger von Dubai World von der Restrukturierung profitieren. Weitere Unterstützung von Banken durch die Zentralbank werde nicht nötig sein.
Nachdem Börsen weltweit bereits vergangene Woche herbe Verluste erlitten hatten, war am Montag zuvor auch die Börse in Dubai am ersten Handelstag nach einer Feiertagspause heftig eingebrochen. Der Leitindex schloss mit einem Minus von 7,3 Prozent - das ist der größte Tagesverlust seit über einem Jahr. Ähnlich ging es der Börse des Nachbaremirats Abu Dhabi, die mit einem Rückgang von 8,3 Prozent den größten Tageseinbruch aller Zeiten verzeichnete.
Das Emirat hatte die Schulden während der Boomjahre angehäuft und tut sich schwer, sie zu bedienen, seit die Krise den Immobiliensektor des Landes in eine tiefe Krise gestürzt hat. Zwar erhält Dubai Unterstützung vom reichen Abu Dhabi - so bot die Zentralbank in der Hauptstadt Abu Dhabi lokalen und ausländischen Banken in Dubai Liquiditätshilfe an. Einen Blankoscheck stellt das Nachbaremirat aber nicht aus, weshalb viele Investoren weiter verunsichert sind. Die Ratingagentur Moody's warnte am Montag vor einer "unausweichlichen" Ansteckung des größten Emirats.