Das Wort zum Feiertag darf ausnahmsweise mal die BILD-Zeitung sprechen
Die Bewohner Deutschlands leben aber nach den – zum Teil selbstverschuldeten – Katastrophen des 20. Jahrhunderts nicht mehr in einem Wolkenkuckucksheim; sie haben das mit der Rückeroberung der Freiheit vor 20 Jahren bewiesen.
Der „Tag der Deutschen Einheit“ erinnert daran. Eigentlich sollte der 9. November Nationalfeiertag werden, denn an jenem Tag im Jahre 1989 fiel die Mauer; die Spaltung Deutschlands und Berlins war überwunden.
Aber dieses Datum ist in der deutschen Geschichte schon besetzt – und meistens negativ. Man denkt eben nicht nur daran, dass am 9. November 1918 der Kaiser abdankte und die Republik ausgerufen wurde, sondern auch, dass bereits am 9. November 1923 Adolf Hitler durch einen Putsch diese vernichten wollte; hauptsächlich aber an den 9. November 1938, als mit der Zerstörung jüdischen Eigentums, der Brandstiftung an Synagogen und der Verschleppung von 30 000 Juden in Konzentrationslager die Vernichtung des europäischen Judentums in Angriff genommen wurde.
Die damaligen Untaten sollten nie vergessen werden. Der Tag der Deutschen Einheit aber erinnert daran, dass es Deutsche waren, die dieses Zusammenwachsen der beiden Nachkriegsstaaten wollten. Das waren alle Patrioten in der alten Bundesrepublik. Noch mehr aber waren es die Bürger in der ehemaligen DDR, die trotz Bedrohung immer wieder für Freiheit und Wiedervereinigung demonstrierten.
Auch Weltpolitiker haben ihr Teil beigetragen. Der amerikanische Präsident George Bush (sr.) vertraute ebenso wie der Chef der Sowjetunion,Michail Gorbatschow, den Beteuerungen Helmut Kohls, von einem vereinten Deutschland werde keine Gefährdung der Welt ausgehen.
So kam es auch, und heute feiern wir diese Einheit. Wir sind auch froh, dass wir nicht mehr in den Wolken leben.
